Sprache und Technik ist unser Thema. Auch
Google hat sich in gewisser Weise diesem Thema
verschrieben und inzwischen 15 Millionen
Bücher digitalisiert – nicht immer zum Vergnügen
von Autoren und Verlagen. Sprach- und
Kulturwissenschaftler dagegen jubilieren, denn
noch nie zuvor war so ein gigantischer Wortschatz
für die Forschung elektronisch verfügbar:
500 Milliarden Wörter über einen Zeitraum von
1500 bis heute. Mit dem Ngram-Viewer hat
Google nun diesen „Wort-Schatz“ auch für
Hobbyforscher freigegeben.
Wer ein Wort oder eine Redewendung in das
Suchfeld eingibt, erhält als Ergebnis eine Grafik,
die die Häufigkeit dieses Wortes in der Literatur
über einer Zeitachse anzeigt. Auch mehrere
Wörter lassen sich eingeben und so vergleichen.
Was im ersten Moment wie eine nette Spielerei
klingt, lässt sich durchaus für ernsthafte Forschung
nutzen. Beispiel gefällig?
Wie lautet die Vergangenheitsform von to
thrive (gedeihen)? Thrived oder throve? Ein
Blick in die Grafik zeigt, dass die Situation gar
nicht so eindeutig ist, wie uns die Wörterbücher
weismachen wollen. Während heute thrived
anerkannt ist, war vor 1920 noch throve die
bevorzugte Variante.
Dass sich der Viewer nicht nur für Sprachsondern
auch für Kulturstudien eignet, zeigt
ein Zeitstrahl unseres Lieblingsworts engine. Die
zwei Spitzen in der Kurve fallen auffällig mit den
beiden Weltkriegen zusammen, danach ist es
mit der Technikverliebtheit erst einmal vorbei,
engine sinkt schnell auf den Wert von vor 1900.
Interessant auch der Vergleich der Stichwörter
dieser Ausgabe: steampunk, solar, ABC, clock
und CAD: Steampunk erscheint erstmals 1984
und nimmt seither rapide zu, solar hatte einen
Boom Anfang der Achtziger, ABC gab es schon
immer, das Interesse an clock scheint seit der Jahrtausendwende zuzunehmen und die Hochzeit
des CAD war Ende der Achtziger.
Der Ngram-Viewer ist wohl einer der seltenen
Fälle, in denen der Datenhunger der Internetriesen
tatsächlich Nützliches und nicht nur Profit
produziert.
Matthias Meier, Chefredakteur
meier@hoppenstedt.de
Auch wenn CAD so was von Achtziger ist,
dreht sich in unserem Heft diesmal fast alles um
Konstruktion und CAD: Steampunks konstruieren
Neues aus Altem, per CAM entstehen aus
Sonne und Sand Skulpturen, Henry Petroski
lehrt das ABC des guten Designs, Uhrmacher
bauen für die nächsten 10.000 Jahre und Ivan
Sutherland erfindet das CAD. Viel Spaß mit dieser
engine, auch wenn wir nur ein paar tausend
Wörter bieten können.